Jürgen Beese: Nehmt die Zeche in Eure Hand PDF Drucken E-Mail

anlässlich des Soli-Konzerts zum Erhalt der Zeche Carl am 13.09.2008

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

liebe Freundinnen und Freunde der Zeche Carl,

wenn ich heute die Gelegenheit habe, zu Ihnen zu sprechen, dann tue ich dies als ein Mensch, der seit Jahrzehnten in den Stadtteilen des Essener Nordens politisch aktiv ist, der den Werdegang der Zeche Carl fast von der Gründungsversammlung der damaligen Initiative an solidarisch begleitet hat, auch wenn ich nicht zu denen gehört habe, die bei ihrem Aufbau selber Hand anlegten, sondern diese Solidarität vorwiegend im politischen Raum ausübte.

Dennoch hat mich die Zeche in mehr als 30 Jahren politischer Tätigkeit im Essener Norden immer begleitet, habe ich ihren Wandel von Jugend- und Kulturzentrum zum soziokulturellen Zentrum wie es heute ist, erlebt.

Nicht immer bin ich mit diesem Wandel glücklich gewesen, gerne hätte ich immer einen wesentlichen größeren Anteil an Jugend- aber auch Seniorenarbeit in der Zeche gesehen, also gerade der Dinge, die in dieser Stadt Mangelware sind und für die in dieser Stadt niemand Geld ausgeben will. Leider hat es auch bei mir Tage gegeben, an denen ich froh war, dass an diesem Ort, hier in der Zeche, überhaupt noch etwas geschah, statt lauthals und immer stärker werdend nach einer besseren finanziellen Ausstattung zu rufen und sich bei Etatberatungen nicht nur auf die Verteidigung des erreichten zu beschränken.

In den letzten 3 Jahrzehnten ist die Zeche Carl immer wieder der Ausgangspunkt von Initiativen aus der Bevölkerung gewesen. Sie hat den Menschen, die sich gegen die Mächtigen in Stadt und Land wehren wollten, Raum geboten. Hier in der Zeche hatte die Friedensbewegung ebenso ihr zu Hause wie die Zeche auch der Ausgangspunkt für Initiativen, z.B. gegen den Weiterbau der A52 oder erst vor kurzem gegen den Masterplan Sport war, um nur einige Beispiele zu nennen. Nicht ohne Grund war die Zeche auch der Gründungsort der Bürgerliste Nord.

 Und die Zeche Carl hat Signale gesetzt, auch im Zusammenleben der Menschen in unseren Stadtteilen. Hier wird nicht nur geredet sondern mit vielen Angeboten ein aktiver Beitrag zur Integration von Migranten geleistet, wobei einer der Höhepunkte immer wieder das internationale Kulturfest zum 1. Mai ist, das die Vielfalt und das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kulturen unter Beweis stellt und fördert.

Aber eben all das von mir angeführte ist eben das, was den Mächtigen dieser Stadt immer ein Dorn im Auge ist und war. Nicht vergessen sind die Anträge der heutigen Mehrheitsfraktion, der CDU, in Rat und Bezirksvertretung, wo sie einen Einhalt des politischen Treibens auf der Zeche fordern, dasselbe in die Nähe des Terrorismus rückten.

Machen wir uns nichts vor, nur weil die CDU / Grünen Mehrheit im Rat die Zuschüsse an die Zeche weiter zahlte, hat sich diese Denke hat sich nicht groß gewandelt. Wenn es nach den Mächtigen in der Stadt geht, dann würden soziales und kulturelles Engagement von der Zeche völlig verbannt, dann würde die Zeche zu einem Kneipen und Diskobetrieb im stilvollem Ambiente einer ehemaligen Schachtanlage.

Und es ist bedauerlich aber war, Einige von denen, die damals in den ersten Jahren in der Zeche mit dabei waren, sich für sie engagierten aber heute als Mehrheitsbeschaffer der CDU im Rat sitzen, schleichen sich heute lieber in Frack und kleinem Schwarzen in die Philharmonie, oder dinieren bei Kerzenschein auf Zollverein. Ihnen dient die Zeche nur noch als Multi-Kulti-Alibi, deren politisches und soziales Störfeuer sie aber am liebsten ersticken würden.

Von den Mächtigen dieser Stadt darf man deshalb keine Einsicht erwarten. Sich mit Ihnen zu arrangieren, dass ist der Tod der Zeche als sozio-kulturellem Zentrum.

Schon das langjährige Einfrieren der Zuschüsse war der Beginn des Todes auf Raten. Das damit der Zeche bei steigenden Kosten immer weniger Geld zur Verfügung stand und steht, das weiß im Rathaus jeder und das wurde bewusst so kalkuliert.

Die CDU-Grünen Mehrheit und ihre Helfer in Rat und Bezirksvertretung haben in den letzten Jahren deutlich gemacht, wo sie in Kultur investieren. In der Philharmonie und auf Zollverein, wo sie jährlich neue Millionenbeträge versenken für Leuchtturmprojekte der Kulturhauptstadt 2010.

Bei diesen Millionen wäre eine Rettung der Zeche und eine Erhöhung ihrer Zuschüsse ein Fliegenschiss. Doch dies ist im Rat nicht gewollt, das muss erkämpft werden.

Eine Zeche Carl will man ebenso auf Raten beerdigen wie die Sport- und Freizeitangebote. Immer dann, wenn es um die Angebote für die breite Mehrheit der Menschen in dieser Stadt geht, dann ist angeblich kein Geld da.

Dies Kolleginnen und Kollegen, liebe Freunde dürfen wir nicht hinnehmen!

Wir fordern deshalb:

Den Erhalt der Zeche Carl in Ihrer jetzigen Vielfalt, denn nur diese Vielfalt macht die Zeche zur Zeche!

Die weitgehende Selbstverwaltung der Zeche auch in der Zukunft

Bei der Erarbeitung eines neuen Konzeptes für die Zeche ist die Kompetenz der Beschäftigen und Bevölkerung als Betroffener mit einzubeziehen.

Die Übernahme der Beschäftigten

Wir rufen Euch auf, überlasst die Zeche Carl nicht denen da oben, nehmt sie wieder in Eure eigenen Hände!
 

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