Wahlergebnisse nicht »unspektakulär« sondern besorgniserregend Drucken
Leserbrief 04.09.09 zu: "Am Sonntag war Badetag"/Westanzeiger v. 02.09.09

Nach der Übersicht der Wahlergebnisse von SPD und CDU im Essener Westen kommt der Westanzeiger zu dem Schluss »Der Rest ist weitgehend unspektakulär«. Diese Einschätzung kann ich nicht teilen. Ich halte zwei Aspekte für sehr bedenklich. Da ist zum einen die nochmals gesunkene Wahlbeteiligung im Essener Stadtgebiet von 49,5% (2004) auf 47,3% (2009). Das Zweite sind die Ergebnisse der rechtsextremistischen Parteien im Essener Westen. 2004 kandidierte nur die REP, nun trat mit der NPD zusätzliche eine zweite Nazi-Partei an. REP kam 2004 auf Essener Ebene auf 2,3% der Wählerstimmen, beide braunen Gruppierungen erhielten nun zusammen 2,0%. Doch dies ist leider kein Grund zur Entwarnung. Einerseits sitzen nun zwei statt wie bisher ein Rechtsextremist im Essener Rat.

Sehr bedenklich wird es, wenn man sich die Zahlen im Westen ansieht. Im Westviertel (2 Stimmbezirke) erhielten beide zusammen 2,7%, in Altendorf (13 Stimmbezirke) 4,7%, im Kommunalwahlbezirk Altendorf-Nord (7 Stimmbezirke) sogar 5,2% der Wählerstimmen! Damit haben die Nazis in diesem Kerngebiet des Essener Westens die höchste Stimmenanzahl in Essen erzielt. An zweiter Stelle folgt der  Kommunalwahlbezirk 23, Vogelheim/Altenessen (11 Stimmbezirke) mit 5,0%.

Die Wahlen fanden unmittelbar vor dem 1. September statt, an dem vor 70 Jahren das faschistische Deutschland mit dem Überfall auf Polen die Welt in Brand setzte. Seither muss jeder wissen, dass Faschismus keine Meinung, sondern ein Verbrechen ist. Unter diesem Aspekt halte ich die Wahlergebnisse im Westen nicht nur für nicht »unspektakulär« sondern für besorgniserregend.

P.S.: Angesichts des vorhandenen Gewaltpotentials in dieser Szene bitte ich Sie ausnahmsweise darum, im Falle einer Veröffentlichung dieser Zuschrift nicht meinen kompletten Namen nebst Adresse abzugeben. Vielen Dank.

Mit freundlichem Gruß
Heinz H.